Falls deine Wettkampfplanung für die kommende Saison noch nicht abgeschlossen ist, haben wir heute eine kleine Inspiration für dich – der Beer Lovers Marathon in Belgien. Unser Mitglied Arnd Zabka hat dieses besondere Event im vergangenen Jahr getestet und uns erzählt, was euch auf den 42 km erwartet. So viel sei gesagt – monoton wird es nicht! Also Rennkalender gezückt und den 17. Mai 2026
vorgemerkt!
Das diesjährige Motto: „The theme is world travel. We want to celebrate this milestone by highlighting cultural diversity and hospitality.“
Was der Marathon du Médoc für Weinliebhaber ist, ist der Beer Lovers‘ Marathon in Lüttich für Freunde des gepflegten Biers. 42 Kilometer laufen und 17 lokale Biere verkosten – das Ganze verpackt in ein Event, bei dem der Spaß im Vordergrund steht. Lüttich liegt im Nordosten Belgiens, an den Ausläufern der Ardennen. Hier treffen Maas und Ourthe aufeinander. Aachen und Maastricht sind jeweils etwa 40 Kilometer entfernt.
Trisportler Arnd Zabka hat das süffige Rennen getestet.

Das letztjährige Motto lautete „BELGIAN COMIC“, im letzten Jahr war es die „Prohibition“.
Tim und Struppi (Hergé), Spirou und Fantasio (Franquin), Lucky Luke (Morris, Goscinny) und nicht zu vergessen die Schlümpfe (Peyo) – um nur einige Comic-Helden zu nennen, die aus dieser Region stammen.
Verkleidung und Schminke waren für die 2.650 Teilnehmer quasi Pflicht. Ganz Schlumpfhausen war unterwegs. Gallische Dörfer marodierten, gefolgt von römischen Kohorten über die Strecke. Die Daltons wurden von Lucky Luke gejagt, Milou und Tim unterwegs beim Gassi gehen…
Das Programm:
SA, 17.05.: Startnummernabholung & Pasta-Party
SO, 18.05.: Race Day
MO, 19.05.: Stadtführung mit anschließendem Bierchen (nicht teilgenommen)
Am Samstag beim Einchecken gab es eine zweistündige Warteschlange. Diese wurde von den Teilnehmern ausgiebig genutzt, um dem kleinen Kiosk an der Ecke seinen Biervorrat zu erleichtern.
In der Schlange wurde ein babylonisches Kauderwelsch aus Französisch, Englisch, Deutsch, Niederländisch und weiteren Sprachen gesprochen. Die Stimmung war sehr entspannt und nicht mit anderen Rennen vergleichbar.
Das Rennen lässt sich grob in vier Abschnitte aufteilen:
1. Das Warm-up
Die ersten 15 Kilometer folgten der Maas und der Ourthe flussaufwärts. Die Verpflegung nach rund 3 km bildete eine Ausnahme – es gab Pain au Chocolat und Wasser zum Frühstück.
Ab der zweiten Station startete das „normale“ Programm (siehe unten). Die ersten Kilometer verliefen auf breiten Straßen mit ausreichend Platz zum Laufen.
Danach wurde es enger, es kam zu Staus oder Zwangsstopps an Bahnübergängen. Leider führten die schlechten Wege zu einigen teils heftigen Stürzen – das kenne ich von anderen Rennen so nicht.
Die Verpflegungsstellen waren immer dicht belagert. Im Gegensatz zu klassischen Läufen blieb man hier stehen, stellte sich für ein Bier an, tanzte zur Band oder zum DJ. Ein Stopp dauerte 5 bis 10 Minuten – und dann ging es weiter.
Auf der Strecke gab es genau einen Pacemaker – er wies lediglich darauf hin, dass die nächste Bar in 10 Minuten schließt. Er holte uns etwa bei Kilometer 10 ein.
2. Der Wald
Nach rund 15 Kilometern ging es in den Wald – und das Leiden begann. Zwei Kilometer Anstieg auf Schotter zu einer Burg. Danach wurde es bis zum Halbmarathon etwas flacher.
Kurz nach dem Halbmarathon holte uns das Schlussläufer-Team ein und erklärte, dass wir den Cut-off von 6 Stunden (waren es nicht 6:30 oder 7:00?) nicht mehr schaffen würden und aus dem Rennen seien. Wie alle anderen auch: Wir liefen einfach weiter.
Bei den nächsten Verpflegungen gab es dann zunächst kein Bier mehr (wer zu spät kommt…). Es folgten enge, steile und wurzelige Trails bergab – wieder viele Stürze. Im Wald ging es nur bergauf oder bergab. Bevor es hinaus ging, standen wir 15 Minuten, da die Polizei den Verkehr durchließ.
3. Die Treppen
Etwa bei Kilometer 27 kamen wir aus dem Wald zurück, es ging zunächst flach durch die Stadt. Mehrere Flussüberquerungen folgten. Bei Kilometer 29 überholte mich das Schlussfahrzeug der Polizei – ich musste fortan auf dem Trottoir weiterlaufen.
Dann ging es durch den neuen, futuristischen Hauptbahnhof von Lüttich. Auch hier: kein Bier mehr. Später passierten wir ein Haus, das zu den „Terrasses des Minimes“ führte – enge, steile Treppen rauf und runter, inklusive Stau.
Immer wieder holten wir die Schlussläufer und die Polizei an Verpflegungsstationen ein – ein echtes Katz-und-Maus-Spiel.
Und dann, bei Kilometer 35: DIE TREPPE auf den Montagne de Bueren.
260 Meter Länge, 67 Meter Höhenunterschied, bis zu 30 % Steigung, 374 Stufen – die zweitlängste Treppe Belgiens. Keine Ahnung, wie ich da hochgekommen bin. Oben warteten Pommes, Aussicht und Polonaise – bevor es wieder steil bergab ging.

4. Die Vorbereitung auf die After-Party
Die letzten fünf Kilometer waren flach und führten entlang der Maas zurück zum Start. Im Kilometerabstand gab es jetzt wieder Verpflegungsstationen – zur Einstimmung auf die legendäre After-Party.
Die Biere wurden stärker. Die Becher voller. Die Stimmung ausgelassener. Die Läufer verweilten länger. Das letzte Bier gab’s 200 Meter vor dem Ziel.
Nach dem Rennen: Lütticher Reisfladen (unbedingt probieren!), Baguette mit Wiener, Massage, und eine Bar mit allen 17 Biersorten.
Im Festzelt stieg die unbeschreibliche After-Party – irgendwo zwischen Karneval und Techno-Rave.
Um 18 Uhr übernahm eine Marching Band das Kommando und führte die noch durstigen Läufer zur After-After-Party in eine Kneipe in der Stadt.
Ein Lauf, der seine eigenen Regeln schreibt:
Verpflegung: Bier & Wasser, Wurst- und Käsewürfel (Fromage de l’Abbaye), Kartoffelchips, Nüsse, Orangenspalten – definitiv besonders.
Nicht alle Biere waren lecker.
Nach der Treppe gab’s obendrein belgische Pommes.
Pace-Berechnungen und Zielzeiten? Sinnlos. Steigungen, Treppen, Stopps – alles ad absurdum geführt.
Auch wenn eine Cut-off-Zeit von 7:30 h großzügig klingt – sie ist es nicht.
Die Dichte der Stationen nimmt gegen Ende zu, und die Biere werden stärker (8–10 %).
Party, Party, Party.
Am Ende standen 42 Kilometer, 420 Höhenmeter und etwas über 7 Stunden auf der Uhr.
Alle Biere konnte ich wegen geschlossener Bars leider nicht probieren – das eine oder andere wurde aber im Ziel nachgeholt.
Beim Laufen merkt man das Bier kaum – zumindest, wenn man maßvoll bleibt.
Es war hart – aber es hat richtig Spaß gemacht.
Ich werde wiederkommen. 😊


