Wenn sich 1.379 Athletinnen und Athleten im Alter von 5 bis 79 Jahren am Kronthaler Weiher versammeln, wenn hunderte Helfer schon in den frühen Morgenstunden mit einem Lächeln anpacken und wenn pure Emotionen auf sportliche Spitzenleistungen treffen – dann ist wieder Stadttriathlon in Erding. Die 31. Auflage am gestrigen Sonntag war ein Fest des Sports, das einmal mehr bewiesen hat, was eine Gemeinschaft auf die Beine stellen kann.
Es war ein Tag, der alles bot, was unseren geliebten Sport ausmacht. Bei frischen 19 Grad Wassertemperatur fiel um 8:30 Uhr der erste Startschuss für unsere Jüngsten. Um sie nicht gleich ins kühle Nass schicken zu müssen, absolvierten die Schüler D und C erstmals einen Duathlon – und zwar als spannende Crossversion, die technisch für jede Menge Abwechslung sorgte. Von den kleinsten Nachwuchsathleten bis hinauf in die Altersklasse 79: Die Leidenschaft auf der Strecke war spürbar.

Spitzensport und Liga-Entscheidungen
Auch sportlich ließ der 31. Stadttriathlon keine Wünsche offen. Auf der Olympischen Distanz sicherte sich Henning Scholl (TSG Schwäbisch Hall) in überragenden 1:51:11 Stunden den Sieg. Der junge Athlet, der in der Szene längst als großes Versprechen gilt, dominierte das Feld mit einer beeindruckenden Vorstellung. Bei den Frauen strahlte Ligastarterin Margrit Elfers (SV Bayreuth) ganz oben auf dem Treppchen. In 2:08:39 Stunden holte sie nicht nur den Einzelsieg, sondern feierte mit ihrem Team auch den Gewinn des Ligarennens der Frauen, das in Erding zum allerersten Mal über die Olympische Distanz ausgetragen wurde.

Auf der Sprintdistanz ging es ebenfalls rasant zur Sache. Hier triumphierte Felix Michl (SV Grün-Weiß Holzkirchen) in pfeilschnellen 0:55:18 Stunden. Bei den Damen holte sich Carmen Schmidt (München) in 1:04:41 Stunden den verdienten Gesamtsieg. Die Liga Süd der Männer wurde auf der Sprintstrecke ausgetragen – hier durfte der TSV Eintracht Karlsfeld den Tagessieg bejubeln.
Durch diesen vollgepackten Renntag führte die absolute Crème de la Crème der Trisport-Moderation: TV-Kommentator Hartwig Thöne, die internationale Triathlon-Stimme Till Schenk und kein Geringerer als Ex-Weltmeister Daniel Unger begleiteten die Athleten mit beispielloser Professionalität, Witz und unwiderstehlichem Charme bis ins Ziel.

Inklusion, die unter die Haut geht: „Da geht es um Würde“
Der Stadttriathlon Erding steht seit jeher für Offenheit und Inklusion. Bereits zum zweiten Mal fanden im Rahmen des Events die Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen im Sprint statt. Neuer Deutscher Meister ist Max Zellmer (GSBV Halle/Saale) in starken 1:01:42 Stunden.

Besondere Gänsehautmomente lieferte das Rennen von Paratriathlet Christopher Kolbeck. Der amtierende Deutsche Meister (PTS4) über die Sprintdistanz reiste mit dem Team des TSV Burglengenfeld an. Kolbeck, der bereits als junger Student durch eine Krebserkrankung seinen linken Unterschenkel verlor, ließ sich von diesem Schicksalsschlag nie bremsen und bestreitet seine Wettkämpfe mit einer speziellen Rad- bzw. Laufprothese. Er nutzte das Rennen als Formcheck für die Deutsche Meisterschaft in Wilhelmshaven („Nordseemann“) in acht Wochen und zeigte sich im Ziel begeistert: „Die Strecke ist spitze, die Organisation auch. Da brauche ich doch etwas Unterstützung von Seiten der Veranstalter wie z.B. mehr Platz in der Wechselzone oder auch die Möglichkeit beim Schwimmen keinen Landgang machen zu müssen, sondern durchschwimmen zu dürfen.“ Besonders die anspruchsvolle Laufstrecke mit dem Kopfsteinpflaster hatte es ihm angetan: „Du musst wach bleiben, jeden Schritt kontrollieren, das mag ich gerne.“
Kolbecks Teilnahme zeigte zudem eindrucksvoll, dass Triathlon ein echter Teamsport sein kann. Immer an seiner Seite ist seine fast 14-jährige Tochter Anna – die ihn seit fünf Jahren zu jedem Wettkampf begleitet. Anna ist beim Schwimmausstieg sofort zur Stelle, hilft aus dem Neoprenanzug, reicht die entsprechende Prothese und hält das Fahrrad. „Wir üben das zusammen. Der Wechsel ist bekanntlich die vierte Disziplin im Triathlon, die Prothetik bei uns die fünfte“, erklärte Kolbeck. Warum dieser reibungslose und schnelle Ablauf am Wasser so entscheidend für ihn ist, fasste er in einem tiefgründigen Satz zusammen: „Ich mag nicht krabbeln, da geht es um Würde.“ Es sind exakt diese starken, menschlichen Momente, die den Sport so besonders machen.

Von 50-Kilometer-Märschen und Sätteln auf Abwegen
Was wäre eine solche Veranstaltung ohne die kuriosen und herzerwärmenden Geschichten am Rande? In der Kategorie „Lost & Found“ gab es eine sportliche Leistung, die unfassbaren Respekt verdient: Ein Athlet verlor kurz nach Beginn der Radstrecke seinen kompletten Sattel inklusive Satteltasche. Aufgeben? Keine Option. Er fuhr die gesamte Strecke im Wiegetritt zu Ende und holte sein Equipment nach dem Rennen tiefenentspannt wieder ab.
Und dann sind da die Geschichten, die zeigen, wie viel Herzblut in diesem Event steckt. Ein Helfer der Startnummernausgabe wohnt im 50 Kilometer entfernten Mühldorf. Um rechtzeitig vor Ort zu sein, machte er sich um 1 Uhr nachts zu Fuß auf den Weg. Nach einem stundenlangen Marsch durch die Nacht stand er pünktlich um 6:30 Uhr am Kronthaler Weiher, um bestens gelaunt Startnummern auszugeben. Ein absolutes Paradebeispiel für die Hingabe im Ehrenamt!
Ein Event, das von der Gemeinschaft getragen wird
Eine Veranstaltung dieser Größenordnung funktioniert nur als großes Ganzes. Über 330 Schilder wurden am Wochenende aufgestellt, um die Sicherheit für alle Sportler und Fans so gut wie möglich zu gewährleisten. Die mit viel Liebe zum Detail organisierte Veranstaltung des Trisport Erding e.V. wurde dabei von rund 250 freiwilligen Helferinnen und Helfern getragen. Ein großer Dank geht an die vielen Zuschauer, die ordentlich Stimmung machten, sowie an die Einsatzkräfte des THW, die Freiwilligen Feuerwehren aus Eitting und Berglern, das BRK, die Polizei, das Ordnungsamt und die Stadt Erding. Ebenso unerlässlich war die Unterstützung der Sponsoren Erdinger Weißbräu, Therme Erding, Stadtwerke Erding, Backstube Wünsche und Edeka Ernst.

Der 31. Stadttriathlon Erding ist Geschichte und hinterlässt strahlende Gesichter und unvergessliche Eindrücke.
Wir ruhen uns nun kurz aus – und freuen uns dann schon auf die 32. Ausgabe – am 13. Juni 2027! Bis nächstes Jahr!


