Der Weg ist das Ziel – heißt es so schön. Beim Stadtlauf Erding könnte man noch ergänzen: Manchmal ist schon der Weg bis zum Start eine Geschichte für sich.
Denn einige der 1722 Läuferinnen und Läufer nahmen in diesem Jahr einen erstaunlich langen Weg auf sich, um bei der großen Laufparty durch die Erdinger Altstadt dabei zu sein.
Allen voran Daniel Unger. Der Weltmeister über die Olympische Distanz im Triathlon reiste eigens aus seiner Wahlheimat Australien nach Erding – und tauschte dort sein gewohntes Moderatorenmikrofon gegen die Laufschuhe. Als Pacemaker führte er seine 55-Minuten-Gruppe über vier Runden durch die Altstadt und sorgte dabei nicht nur für das passende Tempo, sondern auch für jede Menge gute Laune.
Noch ein bisschen näher, aber immerhin aus der Schweiz, reisten Loris Mächler und seine Freundin Svenja Meier an. Loris hatte in diesem Jahr den legendären Inferno-Triathlon, den Partnertriathlon des Stadttriathlons Erding, gefinisht. Die Einladung zum Stadtlauf nahm das Paar deshalb gerne an – und war von dem Erdinger Lauffest auf Anhieb begeistert.
„Die vielen Menschen, die mit Musik aus Privatwohnungen und Garagen gute Laune auf die Strecke brachten, machten eine unvergleichliche Stimmung. Wir sind sehr dankbar für die Einladung“, erzählt Loris.

Erst 30 Kilometer, dann noch einmal zehn
Man kann den Weg zum Stadtlauf aber natürlich auch selbst gestalten.
Eine Läuferin nutzte den Wettkampf kurzerhand als Teil ihres Ultramarathontrainings und lief vor dem eigentlichen Start bereits 30 Kilometer, um anschließend noch die zehn Kilometer des Stadtlaufs dranzuhängen.
Während andere also mit frischen Beinen auf die Strecke gingen, hatte sie ihre ersten 30 Kilometer bereits in den Beinen. Aber wer für einen Ultramarathon trainiert, lässt sich von zehn zusätzlichen Kilometern und ein bisschen Erdinger Partystimmung offenbar nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Der Lebensweg? Der darf ruhig länger sein.
Apropos lange Wege: Auch beim Stadtlauf kennt das Alter keine Grenzen.
In diesem Jahr gingen sogar Läufer in den Altersklassen 75 und 80 an den Start. Und wer jetzt wissen möchte, wie man es schafft, auch in diesem Alter noch topfit die zehn Kilometer unter die Füße zu nehmen, bekommt eine erstaunlich einfache Antwort:
„Jeden Tag Sport.“
Klingt einfach. Ist es wahrscheinlich nicht immer. Aber vielleicht ist genau das eine der schönsten Botschaften des Stadtlaufs: Man muss nicht 20, 30 oder 40 Jahre alt sein, um sich Ziele zu setzen und sie zu erreichen.

Zwei Kinder, ein Babyjogger und jede Menge Gummibärchen
Und dann gibt es natürlich noch die Laufgeschichten, die man nicht planen kann.
Zum Beispiel die Mama, die gleich beide Kinder im Babyjogger über die zehn Kilometer schob. Damit die kleinen Passagiere unterwegs nicht die Lust verloren, gab es natürlich eine bewährte Geheimwaffe: Gummibärchen.

Wenn Super Mario plötzlich läuft
Und dann wäre da noch dieses Trio, das sich kurzerhand selbst zu Superhelden machte und den Stadtlauf in Super-Mario-Kostümen absolvierte.
Warum auch nicht?
Spaß an Bewegung darf – ganz besonders in Erding – auch ein bisschen bunt, verrückt und verspielt sein.
Denn genau solche Geschichten machen den Stadtlauf Erding aus. Sie stehen in keiner Ergebnisliste und lassen sich auch nicht in Sekunden messen. Aber sie sind es, die am Ende im Gedächtnis bleiben.

Der Weg ist das Ziel
Vielleicht ist das genau das Schöne am Stadtlauf: Am Ende hat jeder seine ganz eigene Geschichte zu erzählen.
Manche beginnt in Australien, manche in der Schweiz, manche mit 30 Trainingskilometern in den Beinen – und manche schlicht mit der Frage, wie viele Gummibärchen eigentlich in einen Babyjogger passen. Welche Geschichten der nächste Stadtlauf schreibt? Wir sind gespannt.
Bis dahin: Laufschuhe schnüren, loslaufen und schauen, wohin der Weg führt.
Text: Caroline Cornfine (Trisport Erding); Bilder: Harald Bronold und Martin Schönfelder (Trisport Erding)


